18. Die Macht der Zirbeldrüse

Melatonin und die Zirbeldrüse


Jeder Mensch folgt dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser Rhythmus bestimmt, wann wir wach werden und wann wir müde werden. Bestimmt wird dieser Rhythmus von Melatonin, einem Hormon, das in der Zirbeldrüse gebildet wird. Dieses Melatonin gilt als „Schweizer Messer“ unter den Hormonen (Reiter et al. 2014a). Dieses Multitasking-Hormon hat alle Erwartungen der Wissenschaft bereits übertroffen. Nicht nur, dass es uns hilft, wenn das Sandmännchen mal nicht kommen will. Melatonin schützt uns als Antioxidans vor freien Radikalen und sichert Lebensqualität sowie geistige Fitness bis ins hohe Alter. Es stärkt das Immunsystem, senkt Bluthochdruck und Cholesterinspiegel. Aktuelle Studien zeigen zudem noch heilsame Wirkung bei Krebs, Diabetes, Migräne, chronischen Schmerzen, Augenerkrankungen und Unfruchtbarkeit. Melatonin ist ein wahrer Tausendsassa, wie Dr. Jan Dirk Fauteck in seinem faszinierenden Buch über Melatonin schreibt. Es steuert ebenso unseren Alterungsprozess, stärkt die Regeneration der Zellen in den Organen und erneuert das Gewebe durch Zellteilung (denn diese kann nur in einer bestimmten Schlafphase eingeleitet werden). Melatonin hat die Eigenschaft, die anderen Hormone zu optimieren, also Ungleichgewichte im Hormonhaushalt auszu-gleichen.

Mittlerweile ist Melatonin bestens erforscht. In der PubMed Datenbank befinden sich aktuell rund 25.000 Einträge, die sich mit Melatonin befassen.

Melatonin schützt vor allem auch gut vor Erkrankungen, die seit einigen Jahren sehr stark auf dem Vormarsch sind, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zum Beispiel. Diese neuro-psychiatrischen Erkrankungen haben alle einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus gemein.

Studien haben gezeigt, dass bei Alzheimer-Patienten die Melatoninwerte bedeutend niedriger sind als bei gesunden Menschen sind (Savaskan et al. 2005). Ebenso hat man herausgefunden, dass die gleichen Patienten erniedrigte Tryptophan- und Serotoninwerte zeigen, die die Vorstufen zum Melatonin (Rosales-Corral et al. 2012). Unruhe, Umherlaufen und Schreien, Symptome, die bei Alzheimer-Patienten in den späten Nachmittagsstunden entstehen und Sundowner genannt werden, stehen ganz klar mit einer Störung im Schlaf-Wach-Rhythmus in Verbindung (Klaffke & Staedt 2006). Bewegung und Melatonin können den oxidativen Stress auf Patienten senken (Garcia-Mesa et al. 2012).

Bei Parkinson sind die Fortschritte mit Melatonin ebenso sichtbar. Wenn die Diagnose Parkinson gestellt ist, sind meistens schon ca. 70% aller dopaminproduzierenden Neuronen abgestorben. Während Parkinson voranschreitet, nimmt die Melatoninproduktion ab (Breen et al. 2016). Studien haben auch gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und der Entstehung von Parkinson gibt. Wenn Parkinson früh erkannt wird und man in diesem Frühstadium bereits Wert auf einen regulierten Schlaf-Wach-Rhythmus legt, sind zunächst sämtliche die Motorik betreffenden Symptome wesentlich schwächer als bei allen anderen (Lauretti et al. 2016). Menschen mit Parkinson, die Melatonin einnehmen, zeigen generell wesentlich schwächere und weniger Symptome als die, die es nicht tun. Melatonin kann den Verlust der Nervenzellen und damit die Schädigung des Gehirns vermindern, zum Teil sogar verhindern und die Zellen bei der Regeneration unterstützen (Gutierrez-Valdez et al. 2012, Yildirim et al. 2014).


Bei Krebs sollte Melatonin als starkes Antioxidans, das nachweislich Tumore schrumpfen lässt, in die klinische Behandlung einfließen (Hill et al 2015). Ebenso verlangsamt es Tumore im Wachstum (Vinter & Claesson 2015). Um eine Studie zu zitieren: „Melatonin schützt die gesunden Zellen vor Angriffen und löst andererseits in Krebszellen deren Selbstzerstörung aus“ (Bizzarri et al. 2013).

Beim Einsatz von Melatonin bei Kindern mit ADHS zeigt dieses Hormon eine wesentliche (88%ige) Verbesserung der Schlafqualität und Verbesserung des Verhaltens am Tag (75%ige). Weitere 61 Prozent berichten von einer Verbesserung der allgemeinen Stimmung (Hoebert et al. 2009).

Melatonin wird aus dem Prähormon Serotonin hergestellt. So wundert es natürlich nicht, dass unser Stimmungshormon Serotonin bei Schlafproblemen ebenso zu niedrig ist. In der Folge bedeutet das natürlich, dass bei einer Depression immer Serotonin fehlt und der Melatoninspiegel unmöglich ausreichend sein kann. Schlafprobleme sind bei fast allen Depressiven an der Tagesordnung. Melatonin hilft also, die Schlafprobleme von Depressiven zu beheben (Kunz2012).

Bei all diesen Erkrankungen hat sich auch die Lichttherapie am Morgen als sehr wirksam erwiesen. In meiner Praxis verwende ich dafür eine leistungsstarke wassergefilterte Infrarot-A-Lampe, den Hydrosun. Die Behandlung mit wIRA stärkt das örtliche Immunsystem und fördert die Regeneration, entschlackt Stoffwechsel-produkte und steigert den Stoffwechsel im Behandlungsfeld. Bei dieser Therapie dient die Natur als Vorbild. Sonnenlicht ist der Urquell des Lebens, unter dessen Einfluss sich die Lebewesen während der Evolution entwickelt haben. Deshalb ist das als Sonnenwärme wahrnehmbare, unsichtbare Infrarotlicht eine so natürliche und verträgliche Licht-Wärmetherapie.

Das Infrarotlicht des Sonnenlichtes wird erst dadurch so gut verträglich, dass der Schutzfilter der feuchten Erdatmosphäre diejenigen Anteile ausblendet, die auf der Haut brennen und diese austrocknen. (Infrarot B und -C Strahlen). Gleiches geschieht bei der wIRA-Therapie. Die Infrarotquelle ist eine Glühwendel-Lampe mit sonnenähnlichem Spektrum (allerdings ohne die gefahrvolle UV-Strahlung). Durch einen patentierten Flüssigkeitsfilter wird der natürliche Schutzfilter der Atmosphäre nachgebildet. Die ungünstigen Infrarotanteile werden wie beim Sonnen-Atmosphärensystem herausgefiltert, so dass nur die tiefenwirksamen und hautschonenden Anteile zur Wirkung kommen. Dies ermöglicht eine intensive und zugleich sehr angenehme Therapie über den gesamten Behandlungszeitraum.

Ansonsten gilt:

„Schlafen Sie sich gesund!“

Störfaktoren für Melatonin

- Ganz oben auf der Liste der Störfaktoren steht natürlich Licht. Gemeint ist vor allem der blaue Lichtanteil in den Abendstunden. Dieses blockiert die Ausschüttung von Melatonin in der Zirbeldrüse. Manche Smartphones haben sogar schon eine Abendfunktion, bei welcher der Blauanteil im Licht reduziert wird.

- Medikamente, vor allem Betablocker. Diese blockieren die Betarezeptoren. Will man die Melatoninproduktion aber starten, benötigt man diese Betarezeptoren. Benzodiazepine und Antidepressiva sollten den Schlaf fördern, unterdrücken dabei aber die körpereigene Melatonin-Freisetzung. Auch Aspirin hat scheinbar einen negativen Effekt auf die Melatonin-produktion.